Ein Community-Projekt auf einer internationalen Messe

Die Intergeo fand vom 7. bis 9. Oktober 2014 in den Berliner Messehallen am Funkturm statt. Dabei handelt es sich um eine internationale Messe mit den Schwerpunkten Geodäsie, Geoinformation und Landmanagement. Dieser Beitrag zeigt auf, warum die Veranstaltung für OpenStreetMap nützlich ist und beleuchtet einige Begebenheiten während der Messe.

Seit dem Jahr 2006 gibt es regelmäßig eine Beteiligung des FOSSGIS e.V. in der Form eines Informationsstandes. Um freien Projekten (z.B. QGis, MapServer) eine Präsentationsmöglichkeit bieten zu können, wurde ein großer Gemeinschaftsstand umgesetzt. Dieser hieß lange Zeit OSGeo-Park, dieses Jahr OpenSource-Park. Dort stellen Firmen ihre Produkte oder Dienstleistungen vor und zahlen für die Standfläche. Die freien Projekte bekommen einen Teil der Fläche und ziehen natürlich durch ihre Bekanntheit ebenso Publikum an. Diese Mischung macht deutlich, dass sich Open Source und kommerzielle Firmen gut ergänzen.

OpenStreetMap ist seit dem Jahr 2008 dabei. Die Community kümmert sich eigenständig um Planung, Transport, Auf- und Abbau sowie die Standbesetzung während der Messe. Koordiniert wird alles im OSM-Wiki. Außerdem kann man dort nachlesen in welchen Städten man bereits war und wer mitgemacht hat.

Die Arbeit fängt schon einige Wochen vor der Eröffnung an. Die Wiki-Seite wird angelegt und Kalendereinträge gemacht. Es wird schon überlegt, was man zeigen möchte und natürlich schreibt man Emails und telefoniert mit anderen OSMern, um sich abzustimmen. Haben wir genug Flyer, muss noch etwas gedruckt oder bestellt werden? Von wo und wie werden die üblichen Messeutensilien (Klebeband, Schere, Werkzeug, Steckdosen, Kabel usw) transportiert? Mit der Zeit lernt man natürlich dazu. Überraschungen gibt es aber fast jedes Mal. Es kam schon vor das auf den Aufbau des Standes (die üblichen Wände inkl. Strom u. Internet) vor Ort noch einige Stunden gewartet werden musste. Das Thema Internet vor Ort ist auch jedes Mal spannend. Dieses Jahr wurde jedem Stand ein WLAN-Zugang zur Verfügung gestellt, bei dem sich ein Gerät anmelden konnte. Vor Ort hatten wir jedoch diverse mobile Geräte und eine Handvoll Laptops. Zusätzliche Fritzboxen, Switches und Router erleichtern das Einrichten von Workarounds. Gut wenn man vorher dran denkt.

Die eigentliche Standfläche ist jedes Mal unterschiedlich. Zum Glück kennt man inzwischen die meisten Leute des OpenSource-Parks. Da hilft man sich gegenseitig. Wir benötigten z.b. noch einen flachen Tisch, auf dem wir die ausgedruckten Karten auslegen wollten. So sind wir zum nächsten Messe-Imbiss gegangen und haben dort nach Kisten gefragt. Glücklicherweise konnten wir 6 Stück (gegen Pfand) ausleihen. Dank Klebeband und Pappe hatten wir einen ansehnlichen Sockel gebaut und unser Auslagetisch war fertig.

Der Aufbau erfolgt immer einen Tag vor der Eröffnung. Sobald die Messetore aufgehen, kommen die Besucher und würden an einem halbfertigen Stand vorbei gehen. Spätestens eine Woche vorher steht auch fest, wer eigentlich am Stand ist und den Besuchern weiterhelfen kann. Glücklicherweise gibt es bei OpenStreetMap und in der FOSSGIS-Szene dafür immer ausreichend Freiwillige. Dadurch ist man bei der Besetzung zeitlich flexibel, auch halbe Tage sind damit abdeckbar. Wer also über OSM etwas erzählen kann, egal ob Mappingtipps oder Kartentipps für mobile Geräte, trägt sich das nächste Mal auf der Wiki-Seite ein. Lohnend ist auch ein Rundgang über die Messe. Die meiste Technik ist zum anfassen da und es gibt genügend Ansprechpartner die nur darauf warten Fragen gestellt zu bekommen.

Das es sich um eine Business-Messe handelt, sieht man zumindest bei den Ausstellern die meisten Menschen in Anzug mit Krawatte oder Kleid. Es gibt nicht wirklich eine Kleiderordnung, der Alltags-Büro-Look tut es auch. Wir achten immer auf Sauberkeit und Ordnung am Stand. Unterstützt wurden wir auf dem OpenSource-Park wieder durch eine Hostess, die uns und die Besucher mit Getränken und Knabbereien versorgte. Wer den ganzen Tag vor Ort ist, bringt sich besser selbst Essen und Trinken mit. Die Preise an den Imbissständen sind messetypisch ziemlich hoch.

Während der Veranstaltung steht man die ganze Zeit und unterhält sich mit den Besuchern. Zu den Hauptzeiten kann es schon mal vorkommen, das nicht jeder Besucher bedient werden kann. Je mehr Standpersonal da ist, desto besser. Andererseits kommen die Besucher später nochmal, einige kommen sogar öfters vorbei. In den seltenen Fällen in denen kaum Andrang herrscht, nutzt man die Zeit für einen eigenen Messerundgang, füllt Flyer nach oder räumt mal diverse Browsertabs und JOSM-Fenster auf.

Auf der Intergeo trifft man hauptsächlich Fachpersonal. Firmen die Geodaten verarbeiten und wissen wollen, wie sie OSM-Daten beziehen können. Behördenmitarbeiter die sich für das Thema Qualität der Daten interessieren. Auffallend ist, das die meisten Besucher OSM bereits kennen und gezielt Fragen stellen. Sehr vereinzelt trifft man auch auf Kritiker, die einem zeigen wollen, das OSM gar nicht funktionieren kann. “Darf wirklich jeder in die Datenbank schreiben?” oder “Wie verdient ihr eure Miete und wer bezahlt die Server?” – inzwischen ist man in den Antworten geübt. Sehr oft kamen Fragen zur Attributierung bei der Einbindung von OSM-Karten in Webseiten oder in Printmedien. In der Mehrzahl der Fälle konnten wir schnell und einfach helfen. Wer jedoch eigene Datenbanken betreibt, die nicht nur OSM-Daten enthalten und verarbeiten, muss sich selbst darum kümmern, das alle Lizenzbestimmungen entsprechend berücksichtigt werden.

Ein großer Besuchermagnet auf dem OpenSource-Park ist das Vortragspodium. Dort können Firmen ihre Produkte und Dienstleistungen vorstellen, aber auch die einzelnen freien Projekte über ihre Arbeit sprechen. Es hängt immer ein aktueller Plan mit den Themen aus, so das man auch gezielt zu bestimmten Vorträgen hingehen kann. Anschließend steht der Redner für individuelle Fragen zur Verfügung.

Erneut konnten wir wieder den Besuchern einen gewünschten Kartenausschnitt im Großformat ausdrucken. Dank der Firma Epson, die uns ihr Top-Modell SureColor SC-T7200D inklusive Papier und Tinte, zur Verfügung stellte, bedruckten wir insgesamt mehr als 75m Papier. Am ersten Tag spielte die Technik uns noch einen Streich, so das wir nur vorgerenderte Karten ausdrucken konnten. Aufgrund der Datenmenge und des komplexen Setups steht der Renderserver dazu in einem Rechenzentrum und ist über das Internet zugänglich. Der Knackpunkt ist also ein funktionierender Internetzugang. Am zweiten und dritten Tag konnten konnten wir allen Besuchern demonstrieren, das eine OSM-Karte auf 42-Zoll-Papier ausgedruckt, auch an der Wand aufgehängt ansehnlich ist. Den Plotter zu bedienen ist wirklich einfach. Richtig einfach wird es mit der richtigen Drucksoftware. Diese benötigte leider ein Windows-System, so das wir dafür einen extra Rechner vorbereitet haben. Für den fast pausenlosen Druck sorgte auch die Tatsache, das der Plotter zwei Papierrollen gleichzeitig vorhält und diese per Software umgeschaltet werden können. Das Aussuchen des gewünschten Kartenausschnittes dauerte insgesamt am längsten. Sobald dieser fest stand, wurde das Kartenbild innerhalb von ein bis fünf Minuten gerendert und auf den Messerechner heruntergeladen. Der Ausdruck selbst dauerte ebenfalls nur wenige Minuten.

Damit die ausgedruckten Karten auf dem Transport nach Hause nicht beschädigt werden, hatten wir noch faltbare Kartenkartons besorgt. Diese mussten lediglich zusammen gesteckt werden und die Besucher konnten den Ausdruck sicher transportieren. Besonders gefreut haben uns Besucher, die auf anderen Veranstaltungen bereits einen OSM-Kartenausdruck mitgenommen hatten und sich noch einmal bedankt haben.

Veranstaltungen wie die Intergeo sind eine wichtige Anlaufstelle für alle OSM-Interessierte. Hier gibt es den persönlichen Kontakt ohne Anmeldung bei Mailinglisten oder Wikis. Es ist ebenfalls viel formeller als bei einem Stammtisch und zieht andere Nutzergruppen an. Positiv ist weiterhin, das man andere OSMer kennen lernt und sich austauschen kann. Die Atmosphäre ist am OSM-Stand immer sehr angenehm.

Eine willkommene Ablenkung vom ganztäglichen Stehen sind die Standparties mittwochsabends. Bei den großen Firmen wird Musik sowie Essen und Trinken aufgefahren. Auch auf dem OpenSource-Park gab es am Mittwochabend nach Messeschluss ab 18:00 Uhr Bier, Limo und Schnittchen.

 

 

Wochennotiz Nr. 221

07.10. – 13.10.2014

intergeo2014


OSM auf der Intergeo [1]

Talk, Forum, Wiki & Blog

  • Die Wochennotiz erscheint in Zukunft wieder in einer englischen Version. Und in spanisch. Und in rumänisch. Und in japanisch.
  • Thomas-Krenn-AG fördert OSM2World.
  • Im Bug Tracker des OSM-Editors JOSM wurde ein Vorschlag diskutiert, Presets für “amenity=stripclub” und “amenity=brothel” zu entfernen. Der Änderungsvorschlag, der in Folge einer Diskussion auf der Mailingliste OSMF-Talk entstand, wurde abgelehnt.
  • Martijn van Exel möchte die Mappy Hour wiederbeleben,
  • Auf der talk-de Mailingliste wurde gefragt, welche Dinge bekannt sind, bei denen es mehrere Tagging-Schemata gibt. Daraus entstand eine Diskussion darüber, wie man das Wiki verbessern kann.
  • Die nordsyrische Stadt Kobane existiert bei Bing und Nokia Maps nicht, dafür aber bei OpenStreetMap und Google Maps. (via Twitter)
  • Die wetterfesten Stoffkarten von SplashMaps soll es bald auch auf Deutsch geben. (via Twitter) Siehe auch den Vortrag auf der FOSSGIS 2014 in Berlin (ab 6:18).
  • Der OpenCageData Blog interviewt Robin Hawkes, Gründer und Programmierer von ViziCities, einer 3D Visualisierung von Städten, die als Datenquelle auch OpenStreetMap-Daten verwenden können soll.
  • Der Logo-Wettbewerb für den Editor JOSM ist beendet. Die eingereichten Logos werden im OSM-Forum diskutiert.
  • Ist der Aufnahmeort z. B. Weltall für Satellitenbilder entscheidend für die Wirksamkeit von Urheberrecht? (via @ubahnverleih)
  • Simon Poole blogt über die aktuelle Entwicklung der Mapperzahlen bei OpenStreetMap und weist darauf hin, dass der August 2014 der Monat mit dem zweithöchsten Zuwachs an Neumappern in der ganzen Geschichte von OSM war.
  • User CountryLoon bittet um Mithilfe beim Mappen in Nord-Minnesota und verbindet diesen Aufruf mit einer interessanten Hintergrundgeschichte.
  • Eine neue MapRoulette Challenge zur Korrektur von TIGER-Daten wurde veröffentlicht.
  • Eine neue Version des OpenStreetMap.org Kartenstils, Carto v2.22.0, wurde veröffentlicht. Er enthält unter anderem Verbesserungen am Landcover labelling, wie vorläufige Beispielrenderings zeigen.
  • Im OSM-Wiki entsteht eine Sammlung mit allem, was auf OpenStreetMap basiert und für Rettungskräfte (insbesondere Feuerwehr) interessant sein könnte. Ergänzungen und Ideen sind erwünscht!
  • User lxbarth berichtet vom ersten Treffen lateinamerikanischer Mapper in Mexiko Stadt, das im Rahmen einer Open Data Konferenz stattgefunden hat.

Open Data & ODbL

openstreetmap.dach

Wochenaufgabe

  • Diese Woche gibt es keine neue Wochenaufgabe. Wir suchen weiter jemanden, der die Wochenaufgabe koordiniert und betreut (siehe mitmachen).

OpenStreetMap-Foundation

Humanitarian OpenStreetMap Team

  • Die britische Zeitung “The Guardian” berichtet über das “Missing Maps” Projekt, bei dem es um das Kartographieren von gefährdeten Städten in Entwicklungsländern geht, wobei die Daten in die OpenStreetMap-Datenbank eingepflegt werden. Das Missing Maps Projekt wurde vom Humanitarian OpenStreetMap Team (HOT), Ärzte ohne Grenzen, dem amerikanischen und dem britischen roten Kreuz gegründet.
  • Matt Irwin bloggt über die Fortschritte des Humanitarian OpenStreetMap-Teams (HOT) bei der Kartographierung westafrikanischer Gebiete, die von Ebola bedroht sind.
  • Ein Bericht über die Mappingfortschritte in Lesotho, das über den HOT-Taskmanager koordiniert wird.

Konferenzen

  • [1] Das OSM-Projekt war auf der Intergeo-Konferenz mit einem eigenen Stand vom 07.-09.10.2014 vertreten. Besucher konnten sich ihre OSM-Karte auf ein 44 Zoll Drucker ausdrucken lassen und mitnehmen.
  • Auch OpenSeaMap war auf der Intergeo und hat einen Bericht veröffentlicht.
  • Beim WhereCamp Berlin 2014 vom 13. bis 15. November 2014 findet neben einer Konferenz-, auch ein Barcamp- und ein GeoHacktag statt.
  • Die Einreichung eines Abstracts für die FOSSGIS 2015 in Münster ist ab sofort bis zum 15. November 2014 möglich.
  • Vom 24. bis 26. Oktober 2014 soll in Bad Nauheim nördlich von Frankfurt (Main) das zweite OpenRailwayMap-Aktiventreffen stattfinden. Für eine vereinfachte Kommunikation mit Teilnehmern, die nicht vor Ort sein können, wurde ein IRC-Kanal eingerichtet.

Karten

Tagging

Kennst du schon …

  • … Milvusmap ist ein Webdienst zum Erstellen und Herunterladen von OSM-basierten Karten (eigener Rendering-Stil von milvusmap) als echte PDF-Datei.
  • … die fiktionale Karte von OpenGeoFiction, bei der jeder mitmachen kann, damit Lummerland und andere schönen Dinge für immer ein Zuhause bekommen. (via Twitter)

Programme

Programmierung

und sonst

Wochenvorschau

Termine vom 15.10. bis 22.10.2014

Ort Name Datum
Karlsruhe Stammtisch 15.10.2014
Innsbruck Stammtisch 16.10.2014
Augsburg Stammtisch 16.10.2014
München Stammtisch 16.10.2014
Hannover Stammtisch 17.10.2014
Enns Mapping Party 18.10.2014
Karlsruhe Hack Weekend 18.-19.10.2014
Bonn Stammtisch 21.10.2014
Lüneburg Stammtisch 21.10.2014

Hinweis:
Wer seinen Termin hier in der Liste lesen möchte, trage ihn in den Kalender ein. Nur Termine, die dort stehen, werden in die Wochennotiz übernommen.

In eigener Sache

  • Wir freuen uns über jede Unterstüzung, Themensammler, Meldungschreiber, WordPresscoder … bitte per Mail an uns oder per IRC (Webchat).

Wochennotiz Nr. 220

30.09. – 06.10.2014

wlan


offene Wlan-Hotspots in Mühlheim an der Ruhr [1]

Talk, Forum, Wiki & Blog

Open Data & ODbL

Humanitarian OpenStreetMap Team

  • Alle Tasks zu Ebola gibt es im Taskmanager in einer Abfrage.
  • Eine Präsentation zeigt anhand des Ebola-Ausbruchs und des Typhoon Haiyan, wie OSM zur Krisenbewältigung beiträgt und welche Mittel dabei eingesetzt werden.

Konferenzen

  • Am 18. und 19. Oktober findet in der Geofabrik in Karlsruhe ein Hack Weekend statt.

Karten

Tagging

  • Marek Strassenburg-Kleciak denkt darüber nach, wie man Fassaden in OSM taggen könnte, die in unterschiedlichen Höhen unterschiedliche Farben haben.

Kennst du schon …

  • Kennst du schon – Das Programm Pocket Earth für iOS nutzt OSM-Daten (auch Offline) (via @TheFive_osm)

Programme

  • OSMfocus ist eine neue Android-App zur Anzeige der detaillierten Daten zu einzelnen OSM-Objekten für unterwegs.
  • Nominatim wurde in Version 2.3 veröffentlicht.
  • Mit OpenDroneMap steht nun eine freie Software für das Post-Processing von Luftaufnahmen von Drohnen zur Verfügung. (via @https://twitter.com/PatrickMeier/status/517302950452940803)

Programmierung

und sonst

Wochenvorschau

Termine vom 08.10.2014 bis 15.10.2014

Ort Name Datum
Berlin Intergeo Messe 07.-09.10.2014
Dresden Stammtisch 09.10.2014
Berlin Stammtisch 10.10.2014
Berlin Hack Weekend 10.-11.10.2014
Zürich Stammtisch 11.10.2014
Landshut Stammtisch 13.10.2014
Braunschweig Stammtisch 14.10.2014
Hamburg Stammtisch 14.10.2014

Hinweis: Wer seinen Termin hier in der Liste lesen möchte, trage ihn in den Kalender ein. Nur Termine, die dort stehen, werden in die Wochennotiz übernommen.

In eigener Sache

  • Die Wochennotiz hat ständig mehrere Stellen zu vergeben – Themensammler, Meldungschreiber, … Bewerbungen bitte per Mail an uns oder mündlich per IRC (Webchat).

Ein paar Worte zum Baustellenmapping

Eine der größeren Baustellen in Karlsruhe – aktueller Stand auf OpenStreetMap.org Eine der größeren Baustellen in Karlsruhe – aktueller Stand auf OpenStreetMap.org (Daten © OpenStreetMap-Mitwirkende, Grafik CC-BY-SA)

Ich bin jetzt schon seit ca. 5 Jahren bei OpenStreetMap dabei und mappe viel in der selbsternannten “Baustellenhauptstadt” Karlsruhe. Nachdem ich mich in letzter Zeit immer wieder darüber geärgert habe, dass Baustellen eingetragen werden, die nur wenige Tage dauern – oft ohne jeglichen Hinweis darauf, wie lange eigentlich gebaut wird – habe ich mich letzte Woche dazu entschlossen einen Blogeintrag in meinem Benutzerblog auf OpenStreetMap.org zu schreiben mit einigen Tipps zum Baustellenmapping. Ich danke hiermit auch dem Team vom OSMBlog, das mir die Möglichkeit gegeben hat meinen Artikel auch hier zu veröffentlichen.

Die meisten Leute mögen keine Baustellen: Sie sind laut, dreckig und verursachen Staus. Aber besonders in gut erfassten Regionen sind Baustellen etwas Tolles für Mapper: Es gibt etwas Neues zum Erfassen! Und OpenStreetMap könnte die erste Karte sein, auf der die neue Verkehrsführung zu sehen ist.

Aber sei vorsichtig: Es gibt ein paar Dinge, die man beim Baustellenmapping beachten sollte.

Häufige Probleme beim Baustellenmapping:

  • Während die Hauptkarte auf openstreetmap.org normalerweise innerhalb weniger Minuten aktualisiert wird, gibt es andere Karten und Router, die ihre Daten vielleicht nur einmal im Monat oder seltener aktualisieren. Es könnte also passieren, dass die Baustelle schon lange beendet ist, wenn sie auf der Karte/im Router auftaucht.
  • Einige Firmen drucken Offlinekarten mit OpenStreetMap-Daten. Diese werden oft mehrere Jahre genutzt. Es kann also sein, dass Straßen auf einer solchen Karte fehlen, weil sie zum Zeitpunkt der Erstellung gerade wegen einer Baustelle gesperrt waren.
  • Nicht alle Mapper wissen von der Baustelle bzw. der geänderten Verkehrsführung und machen deine Änderung rückgängig oder passen die Gebäude/den Straßenverlauf wieder an das jetzt veraltete Bing-Luftbild an.
  • Die Baustelle gerät in Vergessenheit und niemand kümmert sich darum, die Baustelle nach Beendigung wieder zu entfernen.
  • Nach dem Ende der Baustelle werden nicht alle Tags wieder auf ihren vorherigen Wert zurückgesetzt (passiert häufig bei Geschwindigkeitslimits auf Autobahnen).

Um diese Probleme zu vermeiden, überlege dir zuerst um welche Art von Baustelle es sich handelt:

  • Kleine Baustellen, z.B. Straßenreparaturen, kleine Renovierungsarbeiten
    dauern normalerweise nur ein paar Stunden bis zu ein paar Tagen. Können kleine Verkehrsbehinderungen verursachen. Normalerweise lohnt sich das Mapping hier nicht. Wenn die Sperrungen vorher bekannt gegeben wurden, kannst du sie mit dem Temporary-Schema eintragen.
  • Sanierungsarbeiten
    dauern ca. 1 Woche bis zu mehreren Monaten. Straßen und Eisenbahnstrecken werden während den Bauarbeiten häufig gesperrt. Auf Autobahnen wird oft die Spuranzahl reduziert und ein Tempolimit eingerichtet. Das ist ein bisschen kniffliger. Ich benutze normalerweise das Temporary-Schema, da der Nutzen durch die eingetragene Sperrung oft geringer ist, als der Schaden, der durch nicht regelmäßig aktualisierte Karten/Router entsteht. Für länger andauernde Projekte (> 1 Jahr) kann es jedoch trotzdem sinnvoll sein die Sperrungen regulär einzutragen, wenn man sicherstellen kann, dass die Baustelle nach Ende wieder entfernt wird.
  • Große Verkehrs- und Städtebauprojekte
    Die Bauarbeiten dauern oft über Jahre. Während der Bauarbeiten wird die Verkehrsführung oft mehrmals geändert und kann nach Abschluss des Projekts anders als vor dem Projekt sein. Beispiele: Stuttgart 21, Kombilösung Karlsruhe, Umbauten von Autobahnkreuzen Ich denke hier kann man die Karte durchaus in Echtzeit aktualisieren. Man sollte dabei nur aufpassen, dass keine wichtigen Hauptverkehrsstrecken unterbrochen werden und darauf verzichten Sperrungen einzutragen, die nur wenige Tage dauern.
  • Neubauten und Abrissarbeiten
    Neue Straßen, neue Eisenbahnstrecken, neue Gebäude
    Diese kann man in Echtzeit mappen, da man hier eigentlich nichts falsch machen kann.

Da wir jetzt wissen, um welche Arten von Baustellen es sich handeln kann, sollten wir uns noch ein paar Do’s und Don’ts anschauen um die oben genannten Probleme zu vermeiden.

Do’s:

  • Dokumentiere was du tust! Benutze Changeset-Kommentare und die Tags note, source und start_date um anderen Mappern zu zeigen, dass die Straßenführung geändert wurde. Das hilft anderen Mappern beim Verstehen, was und vor allem warum du das geändert hast.  Wenn du es weißt, notiere auch das erwartete Abschlussdatum der Baustelle.
  • Ändere die Tags auf razed:highway=*/razed:building=* und end_date=* anstatt die Objekte einfach zu löschen. Dadurch wissen andere Mapper, dass die Objekte nicht mehr existieren und sie tragen die Objekte nicht einfach nach den Bing-Luftbildern oder einer Ortsbegehung, die schon einige Zeit zurückliegt, wieder ein.
  • Falls du auf eine seltsam aussehende Verkehrsführung triffst, die nicht mit dem Luftbild oder deiner Ortskenntnis übereinstimmt, recherchiere zuerst, ob es eventuell Bauarbeiten gab oder kontaktiere den Mapper, bevor du möglicherweise die Arbeit eines anderen Mappers zerstörst.
  • Benutze die temporary-Tags um Änderungen, die nur kurze Zeit dauern, einzutragen. Alternativ kannst du auch Conditional Restrictions für Straßensperrungen verwenden.
  • Frage dich beim Mappen von Straßensperrungen immer: “Was ist schlimmer? Das Fahren einer riesigen Umleitung, weil das Navigationsgerät geglaubt hat, die Autobahnabfahrt sei gesperrt, oder das Routing durch eine vorübergehend gesperrte Straße?” Bedenke auch, dass Straßensperrungen oft ausgeschildert oder über Dienste wie z.B. TMC verfügbar sind. Denke auch an andere Anwendungen als die OpenStreetMap-Standardkarte.

Don’ts:

  • Trage keine Baustellen ein, die nur wenige Tage dauern.
  • Trage keine Baustellen ein, wenn du nicht sicher sein kannst, dass die Baustelle nach Beendigung von dir oder einem anderen Mapper wieder entfernt wird.
  • Missbrauche nicht den name-tag um die Baustelle zu beschreiben (abgerissenes Gebäudeehemalige KaserneBaustelle), verwende stattdessen description=*.

Was denkt ihr? Wie sind eure Erfahrungen mit Baustellenmapping? Kennt ihr noch mehr Do’s oder Don’ts?

Disclaimer: Dies ist nur meine persönliche Meinung und keine offizielle Richtline.

Wochennotiz Nr. 219

23.9. – 29.9.2014

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OSM-Karte im Science Fiction-Style [1]

Talk, Forum, Wiki & Blog

Open Data & ODbL

Tagging

Wochenaufgabe

  • Diese Woche gibt es keine neue Wochenaufgabe. Wir suchen weiter jemanden, der die Wochenaufgabe koordiniert und betreut ( siehe mitmachen).

OpenStreetMap-Foundation

Humanitarian OpenStreetMap Team

Karten

Kennst du schon …

Programme

Programmierung

  • Die Version 0.2.1b von OSM Buildings wurde veröffentlicht, in der die Darstellung pyramidenförmiger Strukturen verbessert wurde.

und sonst

Wochenvorschau

Termine vom 1.10.2014 bis 8.10.2014

Ort Name Datum
Wien Stammtisch 1.10.2014
Lübeck Stammtisch 2.10.2014
Dortmund Stammtisch 5.10.2014
Berlin Messe Intergeo 7.-9.10.2014

Hinweis:
Wer seinen Termin hier in der Liste lesen möchte, trage ihn in den Kalender ein. Denn nur Termine, die dort stehen, werden in die Wochennotiz übernommen.

In eigener Sache

  • Die Wochennotiz hat ständig mehrere Stellen zu vergeben – Themensammler, Meldungschreiber, … Bewerbungen bitte per Mail an uns oder mündlich per IRC (Webchat).
  • Die nächste Folge von RadioOSM Zehn Jahre OpenStreetMap (038) steht zum download bereit.

Wochennotiz Nr. 218

16.09.–22.09.2014

audiovisu


Remix von OSM- und SoundCloud-Daten [1]

Talk, Forum, Wiki & Blog

Open Data & ODbL

Humanitarian OpenStreetMap Team

Konferenzen

Karten

Tagging

Kennst du schon …

Programme

Programmierung

und sonst

Wochenvorschau

Termine vom 24.09. bis 01.10.2014

Ort Name Datum
Düsseldorf Stammtisch 26.09.2014
Bern Grillieren 26.09.2014
Essen Stammtisch 28.09.2014
online Deadline JOSM-Grafikwettbewerb 30.09.2014
Wien Stammtisch 01.10.2014

Hinweis: Wer seine Termine hier in der Liste haben möchte, trage ihn in den Kalender ein. Nur Termine, die dort stehen, werden in die Wochennotiz übernommen.

In eigener Sache