Wahlen zum Vorstand der OpenStreetMap Foundation 2017 – Teil 1

Bis Samstagnachmittag sind die Mitglieder der OpenStreetMap Foundation dazu aufgerufen, zwei neue Vorstände für die OpenStreetMap Foundation zu wählen. In diesem zweiteiligen Blogbeitrag werden die vier Kandidaten vorgestellt. Teil 1 fasst ihre Wahlprogramme (engl. manifesto), ihre Antworten auf Wählerfragen, Kritik und weitere Informationsquellen zusammen, Teil 2 beurteilt sie aus Sicht eines deutschen Craftmappers.

Die Wahlprogramme der Kandidaten sind im OSM-Wiki verlinkt. Dort gibt es auch eine Diskussionsseite, auf der jeder Fragen an die Kandidaten stellen kann. Darüber hinaus gab es zahlreiche Diskussionen in den letzten Tagen auf der Mailingliste OSMF-Talk.

Ablauf der Wahl

Wahlberechtigt sind bei dieser Wahl alle, die mindestens 30 Tage vor der Mitgliederversammlung (09. Dezember 2017) OSMF-Mitglied waren. Für das aktive Wahlrecht spielt es keine Rolle, ob man Normal Member oder Associated Member ist. Letztere sind die Mitglieder, die nicht mit ihrem Klarnamen in der Mitgliederliste stehen wollen (welche laut britischer Gesetzgebung auf Anfrage herauszugeben ist); diese dürfen dann aber auch nicht über Satzungsänderungen abstimmen.

Abgestimmt werden kann vom 02. Dezember 2017 17:00 Uhr MEZ bis zum 9. Dezember 2017 17:00 Uhr MEZ. Ab 17:00 Uhr MEZ findet am 09. Dezember die OSMF-Mitgliederversammlung im IRC statt. An deren Ende werden die Ergebnisse ermittelt und verkündet.

Die Wahl selbst wird nach dem System der übertragbaren Einzelstimmgebung (englisch: single transferable vote, kurz STV) durchgeführt. Es ist ein proportionales Personenwahlverfahren, bei dem jeder Wähler eine priorisierte Liste seiner Wunschkandidaten erstellt.

Bei der späteren Auszählung der Stimmen findet dann die eigentliche Stimmenübertragung statt. Die Auszählung läuft dabei in mehreren Runden ab und in jeder Runde wird geprüft, ob ein oder mehrere Kandidaten die benötigte Stimmanzahl aufweisen um in den Vorstand aufgenommen zu werden. Besitzt ein Kandidat bei seiner Aufnahme mehr als die benötigten Stimmen, so wird die Anzahl der Stimmen die er zu viel erhalten hat, auf die verbleibenden Kandidaten verteilt. Wurde kein Kandidat aufgenommen, werden die Stimmen des Kandidaten mit den wenigsten Stimmen auf die anderen Kandidaten verteilt. Dieses Spiel wiederholt sich, bis die gewünschte Anzahl an Kandidaten gefunden wurde.

STV gilt als relativ faires Wahlverfahren, dennoch gibt es auf Grund der Stimmübertragung taktische Möglichkeiten, denn die Übertragung der Stimmen auf die anderen Kandidaten geschieht im Verhältnis der bisherig gewerteten Stimmvergabe. Hat man also wie in unserem Fall vier Kandidaten und man will zwei bestimmte Kandidaten im Vorstand haben, dann wählt man genau diese beiden. Hat man jedoch (zusätzlich) einen Kandidaten, den man keinenfalls im Vorstand sehen will, sollte man diese Plätze leer lassen.

Ein Beispiel für eine Auszählung findet sich z.B. auf Wikipedia, man kann sich aber auch die Ergebnisse der Auszählung der Wahlen im Jahr 2015 als Beispiel ansehen.

Lesehinweise zu diesem Blogeintrag

In diesem Blogbeitrag wird die Bezeichnung „HOT US Inc.“ verwendet, wenn es sich um die formelle Organisation HOT US Inc. handelt. Dies ist nicht abwertend zu verstehen, sondern dient der Unterscheidung von HOT als Community und HOT als Organisation, welche deutlich kleiner ist, da man nur unter gewissen Umständen stimmberechtigtes Mitglied („voting member“) werden kann.

Zu jedem Kandidaten gibt es zwei Abschnitte. Im ersten Teil dieses Blogbeitrags werden die Aussagen des Wahlprogramms, die Antworten des Kandidaten auf Fragen, seine Aussagen in aktuellen Diskussionen, seine Aktivität und seine offensichtliche Meinung zusammengefasst. In der letzten Zeit geäußerte Kritik an ihm anderer wird ebenfalls erwähnt, sofern sie existiert. Dieser Abschnitt ist bemüht, neutral zu bleiben. Der Abschnitt im zweiten Teil des Blogbeitrags ist nicht neutral. In ihm lege ich meine persönliche Meinung und meine Eindrücke zum Kandidaten dar. Dort finden sich auch Wahlvorschläge.

Paul Norman

Paul Norman ist Kanadier, seit 2010 bei OSM aktiv und wird von HDYC als Great Mapper (active) eingestuft. Seit drei Jahren ist Paul bereits im Vorstand der OSMF und tritt zur Wiederwahl an. Darüber hinaus ist Paul in der Data Working Group, der Engineering Working Group, der Licensing Working Group und der Membership Working Group aktiv. Als Softwareentwickler ist er einer der beiden Maintainer von osm2pgsql und einer der vielen Maintainer von OpenStreetMap-Carto. Er hat viel zur Software zum Rendern von Karten beigetragen und war in diesem Umfeld als freiberuflicher Softwareentwickler für verschiedene Kunden (u.a. Mapquest und Carto) tätig. Ehrenamtlich hat er große Beiträge zu cgimap geleistet, der schnellen Implementierung wichtiger OpenStreetMap-API-Funktionen in C++ (Datendownload, Abfragen der Versionsgeschichte). Einen Einblick in seine Arbeit bekommt man in seinem Blog. Sein Hauptkunde ist derzeit die Wikimedia Foundation. Paul hat an allen State of the Map US seit 2012 sowie der internationalen State of the Map 2016 und 2017 teilgenommen.

In seinem Wahlprogramm nennt er drei große “Sorgen”. Sechs der sieben Mitglieder des Vorstandsmitglieder hätten beruflich mit OSM zu tun, bei vieren verkaufe der Arbeitgeber OSM-Dienstleistungen. Interessenskonflikte seien vorprogrammiert. Das Thema sei bislang stiefmütterlich behandelt worden. Es habe bislang genügt, dass sich ein Vorstandsmitglied, der von einem Interessenskonflikt betroffen war, aus der Diskussion auf der Mailingliste des Vorstands herausgehalten hat. Besser sei es jedoch, wenn solch eine E-Mail-Diskussion vom Betroffenen unsichtbar stattfände.

Er betrachtet es mit Sorge, dass immer mehr angestrebt wird, die Mapper zu kontrollieren, anstatt ihnen Freiheiten zu geben. Die Freiheit für Mapper, auch Dinge zu tun, die dem OSMF-Vorstand u. U. missfallen, solle erhalten bleiben.

Vor drei Jahren sei er angetreten, um selbst durch seine eigene Aktivität dem Mangel an Freiwilligen in der OSMF etwas entgegenzusetzen. Er möchte eine aufmerksame und kritische Mitgliederschaft.

Das Wahlprogramm aus dem Jahr 2014, als er erstmals gewählt wurde, ist im OSM-Wiki zu finden. Damals trat er für eine transparente Vorstandsarbeit ein. Zudem sprach er sich für einen Moderator für Vorstanddsitzungen aus, um Vorstandssitzungen effizienter zu machen. Der Freiwilligen-Mangel bereitete ihm schon damals Sorge. Sein Transparenzvorhaben hat er erfüllt. Eine Moderator gibt es zwar nicht, aber mit Dorothea eine bezahlte Arbeitskraft, die die Tagesordnung zusammenstellt. Das Freiwilligenproblem sei, so sein aktuelles Wahlprogramm, besser geworden, bestehe aber weiterhin.

Meinung zur Richtlinie zur Nutzung der Marke „OpenStreetMap“

Er meint, dass die LWG die Motivation dahinter noch nicht ausreichend erklärt habe. Er sei selbst in der LWG und die LWG werde im Laufe des weiteren Richtlinienentwurfsprozesses noch Rückmeldungen geben.

Amtszeitbeschränkungen für Vorstände

Paul unterstützt Amtszeitbeschränkungen. Er möchte nicht, dass jemand zur Stammbesetzung des Vorstands wird und seine Mitarbeit als unersetzbar betrachtet, wie es in der Vergangenheit schon geschehen sei. Er hält es derzeit für nicht wichtig, meint aber auch, dass jetzt der richtige Zeitpunkt sei, es einzuführen, damit es nicht als Angriff auf einen festklebenden Vorstand verstanden werde.

Transparenz der Arbeit des Vorstands

Er spricht sich für Transparenz aus und beschreibt den aktuellen Zustand in seiner Antwort auf die Transparenz-Frage. Man kann herauslesen, dass er sich wünscht, dass alle Arbeitsgruppen öffentliche Sitzungsprotokolle führen.

Import und mechanische Edits

Auf die Frage nach seiner Meinung zu Importen und mechanischen Edits antwortet er, dass er schon selbst importiert, aber auch schon aufgeräumt habe. Es sei nicht die Aufgabe des OSMF-Vorstands Regeln aufzustellen. Das sei Aufgabe der Community und der DWG.

Organisierte und bezahlte Edits

Die Frage nach organisiertem Editieren beantwortet er nicht.

Share-Alike-Klausel der ODbL

Paul befürwortet die Share-Alike-Klausel der ODbL. Er sei zwar ein Befürworter der Gemeinfreiheit gewesen. Weil aber auch Firmen für Gemeinfreiheit gekämpft haben, habe er seine Meinung geändert. Da er selbst unzählige Stunden in den Lizenzwechsel investiert habe, möchte er das nicht noch einmal mitmachen.

Strategie und Zielsetzung der OSMF

Er befürwortet die aktuelle Strategie der OSMF, das Mappen nicht zu kontrollieren.

Folgende Fragen hat er nicht beantwortet:

  • Vergrößerung der OSMF-Mitgliederschaft
  • Rolle der Regionalvertretungen und ihre Unterstützung durch die OSMF
  • Meinung zu Veranstaltungen für nur ein Geschlecht
  • Hinderlichkeit von Sprachbarrieren für die Mitwirkung
  • Verhaltenskodex
  • bezahlte Kräfte im Auftrag der OSMF
  • Erfahrung im Fundraising
  • erstrebenswerte Verteilung der Geldquellen

Joost Schouppe

Joost ist Belgier, flämischer Muttersprachler, spricht außerdem auch Englisch, Französisch und Spanisch (eingerostet). Er hat zwar seit 2008 ein OSM-Benutzerkonto, der erste Änderungssatz datiert jedoch auf den 22. Juni 2012, richtig aktiv ist er seit 2013. Er ist laut HDYC ein Heavy Mapper (highly active). OsmAnd habe ihn zu OSM geführt. Beruflich ist er als Data Analyst (Soziologie) tätig und hat keine kommerziellen Verbindungen zu OSM.

Zusammen mit Ben Abelshausen und Jorieke Vyncke hat Joost OSM Belgium in der belgischen Regionalvertretung von Open Knowledge Belgium gegründet. Er war Teil des örtlichen Organisationsteams der State of the Map 2016 in Brüssel.

Joost ist sowohl als Craftmapper in seiner Heimat tätig, aber auch bei HOT aktiv (Mapping und Organisation von Mapathons), ist jedoch kein Mitglied von HOT US Inc.

In seinem Wahlprogramm nennt er vier Ziele. Erstens möchte er, dass die OSMF Communitymitglieder, die eine örtliche Community aufbauen möchten, besser unter die Arme greift. Hier gehören Software-Werkzeuge und, damit diese sich vernetzen können, Reisekostenzuschüsse (bzw. Reisekostenerstattungen) für die State of the Map (auch bekannt als Stipendien). Zweitens möchte der die Vielfalt im OpenStreetMap-Projekt erhöhen. Er denkt hier v.a. an Leute, deren Englischkenntnisse nicht vorhanden oder nicht gut sind.

Sein drittes Ziel ist die bessere Vernetzung von OSM mit Forschern, die untersuchen möchten, wie die OSM-Community funktioniert. Deren Forschung und Erkenntnisse können OSM helfen, sich selbst besser zu verstehen. Derzeit basiere vieles auf Mutmaßungen und nicht auf Fakten.

Als viertes und letztes Ziel sollte der OSMF-Vorstand nach neuen Anwendungen für OpenStreetMap Ausschau halten, weil diese das Potential haben, neue Mapper zu OSM zu bringen.

Joost sieht sich nicht als Software-Entwickler, glaubt aber durch seine geringen Kenntnisse in einigen Skriptsprachen brauchbare Feature-Requests schreiben zu können. In der OSMF war er bislang nur im Rahmen der Organisation der State of the Map 2016 in Brüssel aktiv. Stattdessen ist er jedoch stark in die in der Bewerbungsphase befindliche OSM-Regionalvertretung in Belgien involviert.

Joost hat an der SotM 2014 in Buenos Aires und natürlich an seiner SotM in Brüssel im September 2016 teilgenommen. Darüber hinaus hat er an mehreren regionalen OSM-/GIS-Konferenzen in Belgien teilgenommen.

Meinung zur Richtlinie zur Nutzung der Marke „OpenStreetMap“

Er antwortet, dass man die in der Diskussion geäußerte Kritik ernst nehmen solle.

Amtszeitbeschränkungen für Vorstände

Zur Amtszeitbeschränkungs-Diskussion äußert er keine klare Meinung. Er meint, dass es wichtig sei, die Frage zu klären, aber man solle sich nicht zu stark in theoretischen Fragen verheddern.

Transparenz der Arbeit des Vorstands

Er meint, dass Vorstandssitzungen grundsätzlich öffentlich sein sollten, von Ausnahmen z.B. aus Gründen der Privatsphäre abgesehen. Joost hat bislang nur an einer Sitzung des OSMF-Vorstands als Zuhörer teilgenommen.

Angestrebtes Arbeitspensum

Vier bis acht Stunden pro Woche widmet Joost eigenen Angaben zufolge auf organisatorische Aktivitäten in der OSM-Community. Er könnte das noch ein klein wenig erhöhen, möchte aber eigentlich sich ein wenig aus OSM Belgien zurückziehen, um die Zeit in seine Arbeit in der OSMF zu stecken.

Rolle der OSMF in Softwareprojekten der Community, Strategie und Zielsetzung der OSMF

Den bisherigen OSM-Ansatz, dass viele Werkzeuge von der OSMF unabhängig entwickelt werden, findet Joost gut. Das solle beibehalten werden. Er wünscht sich eine stärkere Integration von Werkzeugen in eine zentrale Plattform. Das solle aber nicht heißen, dass die OSMF die Entwicklung dieser Werkzeuge dann steuern solle. Die OSMF solle die Entwicklung solcher Werkzeuge fördern, die nicht von alleine Freiwillige finden, die sie entwickeln.

Importe und mechanische Edits

Joost gibt zu, dass er früher Importe ganz toll fand. Mittlerweile habe er jedoch realisiert, dass es schwer ist einen guten Import zu machen. Er selbst ist in zwei Community-Importe in Belgien involviert. Für mechanische Edits gelte dasselbe.

Organisierte und bezahlte Edits

Er sieht organisierte Editieraktivitäten zuerst einmal als Chance, hält es dennoch für eine Gefahr für unsere Werte. Er findet den Richtlinienvorstoß gut, lobt ihn nicht, äußert sich aber auch nicht negativ darüber. Es sei nun einmal, so er, schwer, einen guten Mapathon zu organisieren.

Share-Alike-Klausel der ODbL

Joost ist kein Freund der Share-Alike-Klausel der ODbL. Sie hindere z.B. die öffentliche Verwaltung daran, Daten für OSM bereitzustellen und im Gegenzug ihre Daten mit Daten, die nur OSM hat, zu verbessern. Ein Lizenzwechsel sei das zum jetzigen Zeitpunkt jedoch nicht wert. Im Laufe der Zeit werde jedoch das Nutzen-Kosten-Verhältnis eines Lizenzwechsels sich umkehren.

Vergrößerung der Mitgliederzahl der OSMF

Auf die Frage, wie die OSMF attraktiver für den “normalen” Mapper werden solle, antwortet Joost, dass die OSMF ehrgeizigere Ziele haben sollte und örtliche Projekte und die Entwicklung von Community-Softwarewerkzeugen bezuschussen sollte. Zudem sollen sich die Mitglieder der OSMF mehr als Club gemeinsamer Werte verstehen und nicht gegenseitig streiten.

Verhaltenskodex (Code of Conduct)

Joost meint, dass OSM bzw. die OSMF einen Verhaltenskodex haben sollte, dieser jedoch kurz sein sollte: “Please try and be kind to each other”. Er wünscht sich, dass diejenigen, die gegen einen Verhaltenskodex sind, denjenigen, die sich unfreundlich verhalten, das mitteilen. Andernfalls würden sie die Bestrebungen derer fördern, die einen Verhaltenskodex fordern. Das Verfassen eines Verhaltenskodex sei nämlich ein Prozess, der die Community spalten könne.

Bezahlte Kräfte

Er ist zwar stolz darauf, wie viel die OSMF ohne bezahlte Kräfte erreicht hat, spricht sich jedoch dafür aus, Leute zu bezahlen, damit Dinge getan werden.

David Dean

David Dean ist Australier, hat ausschließlich Kenntnisse der englischen Sprache und wird von HDYC als Heavy Mapper (very active) eingestuft. Weil er alle in seiner Mittagspause erreichbaren Geocaches gefunden hatte, begann er 2007 zu mappen. Seither ist er als Mapper aktiv, auch wenn er von 2011 bis 2016 nur sehr wenig gemappt hat. Er möchte durch seine Kandidatur im OSMF-Vorstand die Unterrepräsentiertheit der Communitys im Raum Australien/Neuseeland/Südpazifik erhöhen. Er ist als Wissenschaftler tätig und beschäftigt sich mit Machine Learning. Der Schwerpunkt seiner Edits ist in seinem Umfeld (Brisbane), er hat aber auch HOT-Beiträge. OSM möchte er näher an die Ureinwohner im Raum Australien/Neuseeland/Südpazifik heranbringen. Sie hätten eine andere Sicht auf die Welt als Europäer. Indigenen Wurzeln habe er hingegen nicht. Darüber hinaus stellt er klar, dass OSM-Daten der örtlichen Community gehören.

In die Vorstandsarbeit möchte er außerdem Machine-Learning-Anwendungen im OSM-Umfeld einbringen, ein Themenfeld, in dem er mehr als zehn Jahre Berufserfahrung hat. Das soll, so er, jedoch kein Widerspruch zu seiner Forderung, OSM gehören den örtlichen Mappern, sein. Stattdessen, solle Machine Learning die Mapper unterstützen, für alle Mapper zugänglich sein und nicht mit der Gießkanne über das Land verteilt werden.

David war bislang in der OSMF nicht aktiv. In Brisbane hat er von 2008 bis 2011 regionale Communityveranstaltungen organisiert (siehe dazu seinen Benutzer-Blog). Diese Aktivität war von 2011 bis 2016 mehr oder minder eingeschlafen. Als Grund für seine Inaktivität gibt er an, dass er OSM als fertig empfunden habe. Mittlerweile mappet er jedoch auch die Gebäude in seiner Gegend und nutze StreetComplete.

Eine formal organisierte Community in Australien gibt es nicht, sodass sich die Frage nach dortiger Aktivität erübrigt.

Als Softwareentwickler hat David auch kleinere Open-Source-Beiträge im OSM-Umfeld. Er nennt StreetComplete (2 Pull-Requests) und ein Machine-Learning-Projekt für OSM von Development Seed, eine die Firma, aus der Mapbox ausgegründet wurde). Sein Github-Benutzername ist dbdean.

Er hat mit OSM bislang kein Geld verdient. Es ist jedoch möglich, dass seine berufliche Tätigkeit in Zukunft mit OSM zu tun hat, weil er gerade an einem Forschungsantrag für die Verbindung von OSM und Machine Learning arbeitet.

In der internationalen OSM-Community ist er weitestgehend unbekannt, an Konferenzen hat er bislang nicht teilgenommen und in Australien gab es bislang keine.

Meinung zur Richtlinie zur Nutzung der Marke „OpenStreetMap“

Den Entwurf einer Nutzungsrichtlinie für die Marke OpenStreetMap, den die Licensing Working Group vorgeschlagen hat, findet er vernünftig. Er gibt jedoch zu bedenken, dass die Richtlinie von Organisatoren örtlicher OSM-Veranstaltungen nicht als Hürde empfunden werden sollte.

Amtszeitbeschränkungen für Vorstände

Er hat keine feste Meinung. Prinzipiell ist er dafür, erinnert jedoch daran, dass es dann auch genügend Kandidaten geben solle und man keine fleißigen Vorstände nur deswegen von einer Wiederwahl ausschließen solle.

Transparenz der Arbeit des Vorstands

Er unterstützt die derzeit praktizierte Öffentlichkeit der Vorstandssitzungen. An einer Vorstandssitzung hat er bislang noch nicht als Zuhörer teilgenommen. Er bemüht sich, einen Tag pro Woche seinen OSM-Aktivitäten zu widmen.

Rolle der OSMF in Softwareprojekten der Community, Strategie und Zielsetzung der OSMF

Die Doocracy-Kultur in OSM und die Unabhängigkeit der vielen Drittapplikationen aus dem OSM-Universum findet er hervorragend. Er wünscht sich einen Prozess, um interessante Anwendungen auf osm.org anbieten zu können.

An der allgemeinen Zielsetzung der OSMF möchte er nichts ändern. Die OSMF werde jedoch von der OSM-Community oft als separat wahrgenommen, was man ändern solle.

Importe und mechanische Edits

Er ist Importen und mechanischen Bearbeitungen gegenüber kritisch eingestellt und meint, dass sämtliche Importe von idealerweise ortansässigen Mappern gesichtet werden sollten.

Organisierte und bezahlte Edits

Die Frage nach seiner Meinung zur Richtlinie für organisierte Bearbeitungen scheint er teilweise nicht verstanden zu haben oder antwortet ausweichend. Die im Entwurf befindliche Richtlinie solle zwischen organisierten Mappern unterscheiden, die für Geld oder Abschlüsse mappen, und solchen, die ohne Entlohnung mappen.

Share-Alike-Klausel der ODbL

Zwar mag der Share-Alike-Aspekt der ODbL den ein oder anderen potentiellen Datennutzer von OSM abhalten. Eine erneute Lizenzänderung sei es hingegen nicht wert. Die aktive, örtliche OSM-Community mit ihrer Datenpflege würde diesen Mangel ausgleichen.

Unterstützung der Regionalvertretungen (Local Chapters)

Er wünscht sich, dass die OSMF regionale Communitys besser bei der Gründung eines örtlichen OSM-Vereins zu unterstützen und auf ihrem Weg zu einem formalen Local Chapter der OSMF zu begleiten.

Bezahlte Kräfte

Bei der Frage nach bezahlten Kräften verweist er auf die Antworten von Heather und Joost.

Fundraising-Erfahrung

In seiner Antwort auf die Frage, ob er Erfahrung im Fundraising habe, antwortet er, dass er im akademischen Umfeld und für Startups etwas Fundraisingerfahrung habe. Fundraisingerfahrung im nichtkommerziellen Umfeld habe er hingegen nicht. Die Einkünfte der OSMF sollen weiterhin aus den Beiträgen der Privatpersonen und Firmen sowie Spendenaufrufen stammen.

Heather Leson

Heather ist eine derzeit in der Schweiz wohnhafte Kanadierin und hat seit Juni 2011 ein OSM-Benutzerkonto. HDYC stuft sie als Casual Mapper (rarely active) (Gelegenheitsmapper, selten aktiv) ein. Sie hat bislang an 11 Tagen Änderungen hochgeladen. Die Änderungssätze sind allesamt sehr klein. Die drei ersten entstanden im Rahmen einer Mappingparty in Toronto im Sommer 2011, als sie von Richard Weait „angeworben“ wurde. Kate Chapman sei auch daran beteiligt, dass sie von OSM gehört habe. Alle weiteren Änderungssätze entstammen dem humanitären Kontext. Vom Frühjahr 2013 bis Frühjahr 2017 war sie im Vorstand von HOT US. Im ersten Amtsjahr war sie Schriftführerin, anschließend bis Frühjahr 2016 Präsidentin des HOT-Vorstands.

Heather ist derzeit bei der Internationale Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung angestellt, welche im Missing-Maps-Projekt involviert ist.

In ihrem Wahlprogramm hebt sie ihre Erfahrung im “Community-Building” und der Steuerung von Open-Source-Communitys als ihre Stärken hervor. Sie sei in der Vergangenheit für die Open Knowledge Foundation, Ushahidi und Mozilla tätig gewesen. Bei HOT habe sie die Gruppe geleitet, die den Code of Conduct überarbeitet hat.

Als Vorstandsmitglied möchte sie die Diskussion starten, wie in der Projektleitung und den Arbeitsgruppen eine größere regionale Vielfalt unter den Beteiligten erreicht werden kann. Sie möchte OSM für Leute mit vielfältigen Fähigkeiten öffnen, die OSM nicht als Mapper oder Entwickler unterstützen möchten. Ihr schwebt vor, ein Netzwerk an bezahlten (die Bezahlung erwähnt sie erst in den Fragen im OSM-Wiki) Community-Managern aufzubauen. Auf der Fragen-Seite im OSM-Wiki spricht sie sich dafür aus, mehrere bezahlte Community-Manager einzustellen.

Ihr Profil auf hotosm.org schreibt, dass sie in HOT im Community-Management und dem Fundraising tätig sei.

Ihr Ziel ist es, den Vorstand der OpenStreetMap Foundation, der bislang aus Personen besteht, die nicht nur entscheiden, sondern auch Dinge machen, einen Vorstand zu machen, strategische Entscheidungen trifft und die Arbeit anderen überlässt. Bei HOT US Inc. sei das schon geschehen, wie sie selbst stolz in ihrem persönlichen Blog im April diesen Jahres schrieb.

In ihrer Antwort auf die Frage nach ihren geschäftlichen Verbindungen mit OSM, gibt sie an, dass sie u.a. wegen der “data policy” teil der OSM-Leitung werden möchte.

Heather hat an drei regionalen OSM-Konferenzen, der SotM 2016 in Brüssel und dem HOT-Gipfel, der direkt vor der SotM 2016 stattfand, teilgenommen.

Hather möchte einen Code of Conduct mit Sanktionsmaßnahmen einführen. Ein Code of Conduct ist ein Verhaltensregelwerk für die Kommunikation in Online-Communitys. Der Inhalt kann variieren.

Zwei E-Mails von Nicolas Chavent, Mitgründer von HOT, zeigen die Schattenseiten eines Code of Conduct auf. In ihnen schildert er, dass Heather im Herbst 2015 (erste E-Mail) ein Code-of-Conduct-Verletzungsverfahren gegen ihn eingeleitet habe. Er und Severin Menard, ein anderes französischprachiges HOT-Urgestein, hatten im Vorfeld der OSMF-Vorstandswahlen im Jahr 2015 auf der Mailingliste OSMF-Talk vor einer Mehrheit von HOT US Inc. im Vorstand gewarnt (Mail von Nicolas, Mail von Severin). Dass ein Code-of-Conduct-Verletzungsverfahren gegen ihn laufe, sei ihm jedoch nicht mitgeteilt worden. Im Mai diesen Jahres erneut zu einem Code-of-Conduct-Verfahren gegen ihn eingeleitet worden, das er als ungerechtfertigt darstellt (E-Mail 2). Ein Vorstandsmitglied sei wegen eines Interessenskonflikts zum Rücktritt gezwungen gewesen und Mikel Maron hätte gerne den ersten Verlierer der vorhergehende Vorstandswahl nachrücken lassen wollen. Nicolas habe aus diesem Anlass auf der Mailingliste der Mitglieder von HOT US Inc. eine Diskussion über Interessenskonflikte im Allgemeinen gestartet. Mikel habe daraufhin die anderen Mitglieder von HOT US Inc. davor gewarnt, sich an der Diskussion zu beteiligen.

Severin hat Heathers Qualifikation und ihre Fundraisingfähigkeiten in einer Mail am 22. November an die Mailingliste OSMF-Talk in der Luft zerrissen. Severin war von Frühjahr 2014 bis Februar 2016 [2] Mitglied des Vorstands von HOT US Inc. Sie habe zwar ihre Fundraisingfähigkeiten innerhalb des Vorstands hervorgehoben, aber sei erfolglos gewesen. Aufgefallen sei dies erst, als HOT „auf den Hund gekommen“ sei. Vorher hätte sie selbst gegenüber anderen Vorständen aus “Vertraulichkeitsgründen” nicht über ihre Tätigkeiten berichten wollen. Mehrere andere Leute, größtenteils aus dem amerikanischen HOT-Sektor haben Severins Mail als respektlos und verletzend kritisiert, u. a. weil er meint, dass sie sich angesichts ihre geringe Mappingaktivität schämen solle, dass sie als OSMF-Vorstand kandidiere.

Meinung zur Richtlinie zur Nutzung der Marke „OpenStreetMap“

Auf die Frage, wie sie zur im Entwurfsstadium befindlichen Richtlinie zur Nutzung der Marke OpenStreetMap ist, antwortet sie nichtssagend. Sie habe keine Änderungsvorschläge.

Amtszeitbeschränkungen für Vorstände

Die Frage, ob man die Amtszeiten der Vorstände beschränken sollte, beantwortet sie ausweichend und stellt Gegenfragen, die teilweise am Thema vorbeigehen.

Transparenz der Arbeit des Vorstands

Sie möchte sich nicht festlegen, ob Vorstandssitzungen weiterhin so transparent und offen sein sollen, wie es seit 1 1/2 Jahren der Fall ist. Sie hat bislang nur an der letzten Sitzung des Vorstands vor der Wahl teilgenommen.

Angestrebtes Arbeitspensum

Auf die Frage, wie viel Zeit sie in die Vorstandsarbeit investieren kann und zu tun gedenke, meint sie, sie habe fünf bis zehn Stunden pro Woche in ihre Arbeit im Vorstand von HOT US Inc. investiert. Sie meint der Vorstand solle Entscheidungen fällen, arbeiten sollen die Arbeitsgruppen.

Rolle der OSMF in Softwareprojekten der Community, Strategie und Zielsetzung der OSMF

Die Frage nach der Rolle der OSMF in Community-Software-Projekten (sie sind traditionell völlig unabhängig von der OSMF) beantwortet sie mit zwei knappen Sätzen. Joosts Antwort entspreche ihrer und sie wolle erst wissen, was die Operations Working Group darüber denke.

Gefragt nach ihrer Meinung zur Zielsetzung der OSMF antwortet sie mit vielen Stichwörtern, ohne sie weiter zu erklären. Sie nennt: Mentorenprogramm/Freiwilligentraining, Kommunikations- und Verhandlungsfähigkeiten, Kommunikations und Öffentlichkeitsarbeit, Fundraising zur Unterstützung der Regionalvertretungen und des Wachstums der Arbeitsgruppen

Importe und mechanische Edits

Zu Importen und mechanischen Edits hat sie keine eigene Meinung. Das möchte sie den Arbeitsgruppen überlassen.

Organisierte und bezahlte Edits

Ihre Antwort auf die Frage nach ihrer Meinung zur Richtlinie für organisierte Bearbeitungen ist zweideutig. Sie sieht keinen Grund, warum Edits von Firmen und Organisationen weniger wert sein sollen als die der Community. Sie kandidiere wegen dieser im Entwurf befindlichen Richtlinie. In ihrer Antwort verweist sie außerdem auf mehrere Artikel zur Mitwirkung von Firmen in Open-Source-Projekten, was OpenStreetMap jedoch nicht ist, denn es ist ein Open-Data-Projekt. Ihr Anliegen, die Richtlinie mitzugestalten, steht jedoch im Konflikt ihrer Anstellung beim Internationalen Roten Kreuz und dessen Aktivitäten im Missing-Maps-Projekt. Die Richtlinie will nämlich die organisierten Aktivitäten des humanitären Sektors regulieren. Diesen Interessenskonflikt verschweigt sie.

Share-Alike-Klausel der ODbL

Die Share-Alike-Frage beantwortet sie, verglichen mit ihren Konkurrenten, knapp. Sie bedankt sich für deren Antworten, dankt der License Working Group und meint, man solle die Lizenz besser erklären.

Vergrößerung der Mitgliederzahl der OSMF

Um die OSMF für Geldgeber attraktiver zu machen, solle die Mailingliste Ideen nicht kritisieren. Die Frage nach ihrer Erfahrung im Fundraising beantwortet sie mit einem Schwall an Fragen und erwähnt sich selbst nur in einem Satz.

Erstrebenswerte Geldquellen

Die Frage, welche Geldquellen für die OSMF die erstrebenswerten seinen (Mitgliederbeiträge, Unternehmensmitgliedschaften, Kleinspenden, Großspenden, kostenpflichtige Dienste) kann sie nicht beantworten. Sie schreibt, dass sie sich erstmal schlau machen müsse, wie es bisher läuft. Die OSMF brauche Leute außerhalb des Boards, die sich damit beschäftigen. Ob sie damit bezahlte Kräfte meint, ist unklar. Sie glaubt, dass es im weiteren Umfeld der OSMF schon Leute mit Fundraisingerfahrung gebe, die wenn ihre Arbeit wertgeschätzt würde, es kein “Drama” gebe und sie mit geeigneten Leuten zusammenarbeiten könnten.

Michael Reichert

Michael ist seit 2011 aktiver Mapper, hat die Mappingschwerpunkte Eisenbahninfrastruktur und ÖPNV und verdient sein Geld mit OpenStreetMap-Dienstleistungen.


Kategorie: OSMBlog

  1. Ich glaub bei David Dean ist es etwas irreführend, die Idee von “local communities to take ownership of their maps” mit “dass OSM-Daten der örtlichen Community gehören” zu übersetzen. Passender wäre es vermutlich von “Hoheit/Kontrolle der lokalen Gemeinschaft über die Karte” zu sprechen. Es geht dabei nicht um Eigentumsrechte, sondern um Deutungshoheit, Verantwortung und Selbstbestimmung.

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