Erdbeben und Tsunami in Japan [4. Update]

Karte, die den Status der Straßen anzeigt, von Pascal Neis [1]

Nach dem Erbeben und dem Tsunami in Japan fragen sich viele Mapper, wie könnte OpenStreetMap helfen und was kann man selber machen. Wir wollen uns bemühen, möglichst viele Informationen aus allen Kommunikationskanälen in diesem Artikel zu sammeln und so einige Fragen zu beantworten. Sobald neue Informationen vorliegen, werden wir den Artikel aktualisieren und am Ende des Textes eine Zusammenfassung posten.

Wo findet man Infos?

Wichtigste Informationsquelle ist die Wikiseite 2011 Sendai earthquake and tsunami, daneben die HOT Mailingliste und im IRC #osm und #hot.

Was und wie soll gemappt werden?

Anhaltspunkte sind allgemein das Wiki mit den Map-Features und die einzelnen Tag-Seiten, im speziellen diese 2 Seiten:

Solang eine halbwegs konsistente Verwendung der Tags stattfindet, kann man diese auch später per Bot noch ändern oder beim Umwandeln für Spezialkarten konvertieren, damit sie mit anderen Anwendungen zusammenarbeiten.

Was soll man mappen?

  • Straßen, sowohl intakte (für die Zufahrt der Helfer) als auch zerstörte oder blockiert: Benutzt werden die Tags impassable=yes, barrier:obstacle_type=debris, mit der Kombination mit barrier=*, weil dieses weit verbreitet ist und von vielen ausgewertet werden (z.B. Routing, Garminfiles)
  • medizinische Einrichtungen (Krankenhäuser u.ä.): viele davon sind wohl schon importiert. Mit den Bingbildern können zusätzliche Details z.B. die Zufahrt oder ein Gebäude ergänzt werden. Möglichst mit den Nachbebenbildern prüfen.
  • Schulen, werden oft als Notunterkünfte genutzt, amenity=shelter, sind ebenfalls wohl schon importiert als POIs, man kann die Gebäude etc. dazu mappen
  • Notunterkünfte, Camps: refugee=yes
  • Wasser-Ausgabestellen, Sanitäranlagen
  • öffentliche Telefone: amenity=telephone
  • Evakuierungszonen, Zonen in denen man sich bei einer Evakuierung aufhalten soll
  • Einkaufsmärkte: Punkte, an denen Essen verteilt wird: amenity=supermarket
  • überschwemmte Bereiche (mit Bildern, die nach dem Erdbeben gemacht wurden)
  • zerstörte, beschädigte Gebäude: dieses ist eine wichtige Information, aber schwer ohne hochauflösende Bilder zu erkennen. Ggf. mit Hinweis zum Prüfen.

Wo soll man mappen?

Es gibt einige Gebiete, die besonders wichtig sind:

Ebenfalls mögliche Orte, die betroffen sind:

Die Karte von ikiyamaps zeigt die Gebiete (orange), die vom Tsunami betroffen sind und in violett Gebiete, in der sich zur Zeit viele Menschen aufhalten.

Was ist zum Mappen verfügbar?

Die 2 wichtigsten Quellen sind die Luftbilder von DigitalGlobe und Bing.

  • Bing: wurden größtenteils vor dem Erdbeben aufgenommen, können also nur für bestimmtes Mapping genutzt werden. Abdeckung und Auflösung sind regional verschieden, in den Editoren können die Bilder sofort benutzt werden.
    Für einige Bereiche wurde allerdings schon aktualisiertes Material eingespielt (etwa hier), noch ein Beispiel – Nordwest neu, Südost alt. Mit dem Binganalyser kann die Auflösung der Luftbilder angezeigt werden.
  • DigitalGlobe: Diese Bilder wurden nach dem Erdbeben gemacht, sind also prinzipiell sehr viel nützlicher und interessanter. Die Abdeckung ist verschieden, die Auflösung ist gut, die Kontraste und die Farben sind aber teils nicht sehr gut. Leider muss der Zugang zu diesen Bildern zur Zeit auf 20 Personen beschränkt werden. Auf der Wikiseite wird der Zugriff über eine Tabelle geregelt. Den notwendigen WMS-Link für die Luftbilder erhält man auf Nachfrage bei den Koordinatoren. Danach trägt man sich in der Liste ein.
  • SpotImage: Die Bilder sind ebenfalls nach dem Erdbeben am 12.3.2011 erstellt worden. Die Auflösung beträgt 2,5m und der WMS-Server kann frei genutzt werden. Die URL ist http://cernunosat05.cern.ch/ArcGIS/services/Japan/SendaiMosaic/ImageServer/WMSServer?FORMAT=image/jpeg&VERSION=1.1.1&SERVICE=WMS&REQUEST=GetMap&Layers=0&

Es gibt Bemühungen, Zugang zu noch mehr Bildern zu bekommen, die nach dem Erdbeben gemacht wurden (das ist nicht ganz einfach, wie ihr euch sicher vorstellen könnt).

Bei anderen Crisismapping-Bemühungen gab es oft auch noch alte Kartendaten oder auch Kartendaten, die wir zum Import erhalten haben. Dies scheint abgesehen von den oben erwähnten Importen aber nicht der Fall zu sein, d.h. man ist auf die Luftbilder angewiesen. Wie immer gelten die OSM üblichen Regeln, also bitte auch in diesem Fall keine Daten von Google oder anderen Kartenanbietern übernehmen.

Daneben hat User Gary68 eine Aktion 15 zum Checken des Straßennetzes gestartet.

Wo tauscht man sich aus, bekommt Hilfe, kommuniziert?

Und das Ergebnis…

Jeder kann die Daten aus der OSM-Datenbank benutzen und Karten, Listen usw. erstellen. Daneben werden von verschiedenen Usern Datenextrakte oder Karten bzw. Garminfiles erstellt.

1. Update (16.03.11, 19:10):

  • SpotImage: Die Bilder sind ebenfalls nach dem Erdbeben am 12.3.2011 erstellt worden. Die Auflösung beträgt 2,5m und der WMS-Server kann frei genutzt werden. URL siehe oben.
  • Daneben hat User Gary68 eine Aktion 15 zum Checken des Straßennetzes gestartet.
  • Ralf Kleineisel erstellt Garminkarten mit SRTM-Konturlinien (10m, 20m, 100m) für Japan und Sendai.
  • Bing hat einige neue Bilder eingespielt. Beispiel – Nordwest neu, Südost alt
  • Mit dem Binganalyser kann die Auflösung der Luftbilder angezeigt werden.
  • Mit den Daten von Honda wurde eine Karte erstellt (allerdings auf Bing-Tiles), die befahrbare Straßen zeigt.
  • Die Karte von ikiyamaps zeigt die Gebiete (orange), die vom Tsunami betroffen sind und in violett Gebiete, in der sich zur Zeit viele Menschen aufhalten.
  • Die japanischen Community ist hauptsächlich im IRC-Channel #sinsai.info auf irc.oftc.net und auf der Mailingliste talk-ja. Wer direkte Fragen hat, bekommt auch in Englisch meist sehr schnell eine Antwort.
  • Übersetzungen von japanischen Webseiten gehen mit translate.google.com, einzelne Zeichen mit Plugins für Browser, z.B rikaikun für Chrome und rikaichan für Firefox.

2. Update (17.03.11, 23:55):

  • Kate Chapman hat ein paar Statistiken zur Bearbeitungsaktivität in Japan in den letzten Tagen gemacht.
  • Es gibt ein Update für die Garminkarten von Ralf.
  • [1] Pascal hat ein Kartenoverlay erstellt, das anzeigt, ob eine Straße offen oder nicht passierbar ist. Das Kartenoverlay kann mittels WMS auch bei anderen OpenLayers-Karten oder in GIS Anwendungen sowie JOSM genutzt werden, eine Anleitung dazu findet sich im Blogpost.

3. Update (20.03.11, 13:00):

  • Antworten auf die Frage, ob OSM-Daten in Japan genutzt werden. Zusammenfassung: Teams, die vor Ort sind, haben teils OSM-Karten mit auf den Weg bekommen oder evtl. auch Zugriff auf OSM-Karten von vor Ort. Ob OSM-Karten/Daten nützlich sind und eingesetzt wurden, wird man wohl erst nach Ende des Einsatzes erfahren.
  • Einblick in die Schwierigkeiten, die beim Verteilen der Daten an die Helfer auftreten.
  • Jan Tappenbeck hat eine spezielle POI-Karte für die betroffenen Gebiete erstellt.

4. Update (23.03.11, 23:30):

 

Wochennotizteam

  • Das Wochennotizteam sucht Dich, ja DICH als Mitarbeiter. Die Wochennotiz erscheint mit 52 Ausgaben pro Jahr z. Zt. in neun Sprachen, unabhängig von Urlaubszeit oder Feiertagen. Dazu brauchen wir ein starkes Team. Deshalb würden wir uns über Deine helfende Hand freuen.
  • Vielfältige Aufgaben warten: Links aus dem OSM-Umfeld sammeln und bewerten, Artikel schreiben, übersetzen und korrigieren, Bilder aufbereiten, und das alles in einem engagiert diskutierenden internationalen Team.
  • Sende uns eine Mail mit Deinem OSM-Namen, damit wir Dich in unser Redaktionssystem aufnehmen können. Wenn Du möchtest, kannst Du Dich auch im Wiki eintragen.

Kategorie: HOT, News | Tags: , ,

  1. Danke für die gute Zusammenfassung !

  2. mc

    folgende info kam über facebook

    GSI has released photos from photogrammetric flights at http://saigai.gsi.go.jp/mosaic/index.html. Among them there are a kind of orthophotos (simplified process and less pixels); you can get a JPEG http://saigai.gsi.go.jp/h23taiheiyo-ortho/CTO-2010-4-ortho-0602.jpg with a world file http://saigai.gsi.go.jp/h23taiheiyo-ortho/CTO-2010-4-ortho-0602.jgw from PDF http://saigai.gsi.go.jp/mosaic/pdf/sendai_0602.pdf .
    平成23年(2011年)東北地方太平洋沖地震の空中写真
    saigai.gsi.go.jp

  3. Hier eine Karte der Gebiete, die eine hohe Prioritaet haben, da sie entweder vom Tsunami getroffen wurden (orange Flaechen) oder weil sich dort besonders viele Personen aufhalten (violette Flaechen):
    http://www.arcgis.com/home/webmap/viewer.html?webmap=667dc8e453c347cfb89a846d6dffb61d

  4. okilimu

    von mir noch Hinweise auf
    * Gary Aktion 15 Japan Straßen-Routing Fehlerbeseitigung [1]
    * Karte zum Remote-Mappen wg. Tsunami und großer Menschendichte

    [1] http://wiki.openstreetmap.org/wiki/Aktionen/Aktion_15
    [2] http://www.arcgis.com/home/webmap/viewer.html?webmap=667dc8e453c347cfb89a846d6dffb61d

  5. Jan (alias Lübeck)

    also bei dem Humanitarian Data Model stehen mir immer die Haare zu Berge – dafür Karten zu erstellen ist sehr kompliziert.

  6. !i!

    Das stimmt sicherlich Jan, aber das muss man mal angehen, wenn die Zeiten wieder etwas ruhiger sind.

  7. Hadhuey

    Ich habe eine deutschsprachige Version von http://wiki.openstreetmap.org/wiki/DE:2011_Sendai_earthquake_and_tsunami angeschubst.

  8. Christian

    Bin jetzt nicht so involviert in die aktuellen OSM-Aktivitäten in Japan, aber gibt es eigentlich Rückmeldungen aus Japan, ob die aktuell (nach dem Tsunami) gemappten OSM-Karten in größerem Stil auch vor Ort verwendet werden, z.B. von Militärs, Rettungskräften, NGOs, Privatleuten? Ich würde vermuten, dass Militär oder Katastrophenschutz ein eigenes GIS haben? Aber ich bin da eher pessimistisch… Die Lage vor Ort ist vermutlich weitaus chaotischer, als von offizieller Seite oder aus den Medien verlautet. Auch die Medienberichte finde ich zumeist viel zu oberflächlich, um sich ein genaues Bild der Lage zu machen, ein paar kurze Videosequenzen und nichtssagende Liveschaltungen, das wars auch schon… Den Überblick scheint wohl keiner mehr zu haben…

    • Dass es zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Rückmeldungen gibt, ist normal, da viele Helfer noch im Einsatz bzw. zu beschäftigt sind. Auch bei Haiti kamen die Meldungen erst im nachhinein.
      In gewisser Weise ist die Situation mit Haiti nicht vergleichbar, da dort viel mehr ausländische Helfer im Einsatz waren und es vor dem Erdbeben kaum offizielles Kartenmaterial gab. Das ist in einem modernen und hochtechnologisierten Land wie Japan sicherlich anders. Die Vorteile von OSM Karten bzw. Geodaten sind, dass sie sehr leicht verfügbar unter einer offenen Lizenz sind, d.h. jeder kann sich die Daten herunterladen und im Rahmen der Lizenz damit machen was er will. Das ist bei Militärkarten sicherlich anders. Ein weiterer Vorteil ist die Aktualität der Karten durch das Mappen mit sehr aktuellen Satellitenbildern und dem Einzeichnen von spezielle relevanten Infos (Notunterkünfte etc.).
      Für die Zukunft müssen wir versuchen mehr Feedback von den Helfern zu bekommen, z.B. ob die Karten genutzt wurden oder warum nicht, welche Dinge am wichtigsten auf der Karte sind, welche Formate zum Export benötigt werden… Das hat nach Haiti zum Teil schon gut geklappt, kann aber noch in vielen Punkten verbessert werden.

  9. Fabi2

    Die offiziellen Karten werden sicher wegen der Verläßlichkeit der Daten parallel zu OSM benutzt werden, aber gerade in Sachen Aktualität werden sie an OSM nicht vorbei kommen. Die offiziellen sind im Moment da sicher noch viel detailreicher, aber die zeigen keine unbenutzbaren Straßen und überfluteten Gebiete.

  10. Der Link zu Kates Statistik war falsch, habs angepasst.

  11. Seit gestern gibt es teilweise Probleme mit den Sat-Aufnahmen von DigitalGlobe. Durch das Aufspielen neuerer Satellitenbilder mit schneebedeckter Oberfläche wird die Auswertung über DG-Bilder erheblich erschwert bzw. teilweise unmöglich. Strassen und intakte kleinere Häuser sind nicht mehr zu erkennen. Bing hat seinen Datenbestand beibehalten. Der sonst gute Vergleich zwischen DG und Bing in einigen Gebieten mit vorher/nachher Aufnahmen ist nun nicht mehr möglich. So ist eine Beurteilung der Schadensausdehnung des Tsunamis erschwert, vor allem wenn es um kleinere Ortschaften mit typisch kleinen Gebäuden an der Küste geht.